Der Inzest-Paragraph in seiner jetzigen Form ist falsch!

10.04.2011

Der häufig als „Inzest-Paragraph“ bezeichnete § 173 StGB:

  1. Wer mit einem leiblichen Abkömmling den Beischlaf vollzieht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.
  2. Wer mit einem leiblichen Verwandten aufsteigender Linie den Beischlaf vollzieht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft; dies gilt auch dann, wenn das Verwandtschaftsverhältnis erloschen ist. Ebenso werden leibliche Geschwister bestraft, die miteinander den Beischlaf vollziehen.
  3. Abkömmlinge und Geschwister werden nicht nach dieser Vorschrift bestraft, wenn sie zur Zeit der Tat noch nicht achtzehn Jahre alt waren.

Mit „Beischlaf“ ist laut Wikipedia lediglich der vaginale Beischlaf (also Penetration der Vagina mittels Penis) gemeint. Halte ich für realistisch, vermutlich waren zur Zeit der Entstehung dieses Gesetzes alle anderen Arten sexueller Vergnügungen sowieso verboten.

Früher handelte es sich vermutlich um einen reinen Moral-Paragraphen, so wie gleichgeschlechtlicher Verkehr ebenso verboten war. Heutzutage werden zwei Gründe für das Fortbestehen angegeben – zum Einen das erhöhte Risiko behinderter Nachkommen, zum Anderen eine Gefährdung der familiären Struktur. Beides sind jedoch in Wirklichkeit keine tauglichen Gründe.

So ist zwar richtig, dass nahe Verwandte mit höherer Wahrscheinlichkeit für genetische Probleme anfällige Kinder zeugen, allerdings wird gerade die Zeugung durch § 173 eben nicht verboten. Das Zeugen auf andere Art, z.B. manuelles Einführen von Ejakulat ist erlaubt. Dafür ist aber der Beischlaf auch verboten, wenn gar keine Schwangerschaft möglich ist, beispielsweise durch Verhütung oder bei Sterilität mindestens eines Beteiligten.
Hinzu kommt, dass durch Inzest gezeugte Kinder nur mit höherer Wahrscheinlichkeit aufgrund ihres Erbguts Probleme erleiden. Gleichzeitig sind aber Menschen mit nachgewiesenen Erbkrankheiten, die diese also garantiert vererben, nicht derart eingeschränkt – ihnen erlaubt das Gesetz Nachkommen. Eine grundsätzliche „Verbesserung des Erbguts“ ist ohnehin kein Wert, für den unsere Gesellschaft eintritt.

Auch den Schutz der familiären Struktur halte ich für zweifelhaft. Der Paragraph verbietet ausgerechnet den gefestigteren Volljährigen den Verkehr, während zwei Geschwister im Alter von 14 und 17 Jahren aufgrund Absatz 3 gar nicht betroffen sind. Außerdem versagt er zusätzlich, da nur eine ganz enge Auswahl an sexuellen Handlungen, nämlich der Beischlaf, verboten ist, andere Spielarten hingegen sind erlaubt.

Aus meiner Sicht sollte der Paragraph komplett abgeschafft werden. Er hat kaum einen Nutzen, denn das, was er vorgeblich leisten soll, leistet er eben nicht. Was er tatsächlich tut, ist, erwachsenen Menschen einvernehmliches Vergnügen zu verbieten. Ein solches Gesetz ist nicht sinnvoll.